Wissen

ISO 9001 Kapitel 7.1.6: «Wissen der Organisation» praktisch umsetzen

Jedes ISO-9001-zertifizierte Unternehmen muss das Wissen erhalten, das seine Prozesse trägt. Am härtesten wird diese Anforderung, wenn eine Schlüsselperson geht. Diese Seite ordnet ein, was die Norm wirklich verlangt, was Auditoren sehen wollen und wie Sie den Wissenstransfer beim Abgang belegbar machen.

Was verlangt ISO 9001:2015 in Kapitel 7.1.6?

Kapitel 7.1.6 («Wissen der Organisation») enthält drei Pflichten: Die Organisation muss das Wissen bestimmen, das für ihre Prozesse und die Konformität ihrer Produkte und Dienstleistungen notwendig ist. Sie muss dieses Wissen aufrechterhaltenund im erforderlichen Umfang verfügbar machen. Und bei sich ändernden Erfordernissen muss sie festlegen, wie sie notwendigesZusatzwissen erlangt. Die Norm selbst nennt als interne Wissensquelle ausdrücklich das «Erfassen und Weitergeben von nicht dokumentiertem Wissen und Erfahrung».

Wo Kapitel 7.1.6 im Alltag konkret wird: beim Abgang

Das Wissen der Organisation ist laut Norm «im Allgemeinen durch Erfahrung erlangt»: Es sitzt in Köpfen, nicht in Handbüchern. Geht ein langjähriger Wissensträger in Pension, entscheidet sich in diesem Moment, ob die Pflicht «aufrechterhalten» erfüllt bleibt. Diese Verbindung ziehen auch die Prüfer selbst: Die offizielle Leitlinie der ISO 9001 Auditing Practices Group nennt Mentoring und Nachfolgeplanung als Mechanismen, die Auditoren bewerten sollen, und Zertifizierer wie die DQS führen altersbedingtes Ausscheiden als typisches Risiko zu Kapitel 7.1.6 auf.

Was Auditoren sehen wollen

Ein Ordner mit Arbeitsanweisungen genügt der Leitlinie ausdrücklich noch nicht: Dokumentierte Information heisst noch lange nicht, dass das notwendige Wissen bestimmt ist. Überzeugend ist ein nachvollziehbarer Prozess: Wer sind die kritischen Wissensträger, wann gehen sie, was wurde gesichert, und wie kommt der Nachfolger an dieses Wissen heran? Wer diese vier Fragen mit Belegen beantwortet, hat Kapitel 7.1.6 im Griff.

Wie stillhere die Anforderung belegbar macht

stillhere macht den Wissenstransfer bei Pensionierung und Nachfolge zum dokumentierten Prozess: Aus Postfächern, Dateiablagen und Sprachnotizen, die es längst gibt, entsteht mit Zustimmung der Person ein befragbares Wissensabbild. Jede Antwort nennt ihre Quelle, jedes Abbild kennt seinen Datenzeitraum. Damit wird «Wissen aufrechterhalten und verfügbar machen» vorzeigbar: für Ihr Team im Alltag und für Ihr nächstes Audit. Ein Übergabedokument mit durchgehender Belegkette gehört dazu: das Handover-Dossier, als Nachweismittel für dieses Kapitel gestaltet.

Häufige Fragen

Was verlangt ISO 9001 Kapitel 7.1.6 wörtlich?
Drei Pflichten: Die Organisation muss das für ihre Prozesse notwendige Wissen bestimmen, sie muss dieses Wissen aufrechterhalten und im erforderlichen Umfang verfügbar machen, und sie muss bei sich ändernden Erfordernissen festlegen, wie sie notwendiges Zusatzwissen erlangt.
Verlangt die Norm ein bestimmtes Werkzeug oder System?
Nein. Die Norm lässt offen, wie Sie die Anforderung erfüllen. Entscheidend ist, dass Sie dem Auditor zeigen können, wie kritisches Erfahrungswissen bestimmt, erhalten und verfügbar gemacht wird, auch wenn seine Träger das Unternehmen verlassen.
Prüfen Auditoren die Wissenssicherung bei Abgängen wirklich?
Die offizielle Leitlinie der ISO 9001 Auditing Practices Group nennt das Erfassen vorhandenen Wissens ausdrücklich, mit Mentoring und Nachfolgeplanung als Beispielen. Zertifizierer wie die DQS benennen altersbedingtes Ausscheiden als typisches Risiko zu Kapitel 7.1.6. In der Praxis führt das eher zu Hinweisen und Verbesserungspotenzialen als zu Hauptabweichungen — vorbereitet sein lohnt sich trotzdem.
Reicht unsere ISO-27001-Zertifizierung dafür?
ISO 27001 regelt beim Austritt Vertraulichkeit, Zugriffsentzug und die Rückgabe von Geräten; das Erfahrungswissen der Person bleibt dabei ungeregelt. Für Kapitel 7.1.6 der ISO 9001 braucht es einen eigenen Weg, dieses Wissen zu erhalten.

Stand: 25. August 2026

Der richtige Zeitpunkt

Solange die Person im Haus ist,
lässt sich ihr Wissen sichern.

Danach bleibt nur, was sie hinterlassen hat. Wer ein Austrittsdatum im Kalender stehen hat, hat genau bis dahin die Wahl.

  • Das Wissen bleibtAuch Monate nach dem letzten Arbeitstag — befragbar, mit Beleg zu jeder Antwort.
  • Gefragt statt gesuchtWer etwas wissen will, fragt im Chat, in dem er ohnehin schreibt.
  • Wissen wandert zwischen den TeamsWas in einer Abteilung entstanden ist, steht der nächsten offen.

Unverbindlich. Sie sagen, wer geht — wir sagen, was sich sichern lässt.

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